Schwerpunkt
Schulangst und Schulschwänzen

Jedes Kind fehlt mal in der Schule, weil es krank ist. Bei Jugendlichen kommt es öfter vor, dass sie ab und zu einzelne Stunden schwänzen, weil sie morgens zu müde sind oder nachmittags mit Freund*innen lieber etwas anderes unternehmen. Solchessporadisches Schulschwänzen ist meist kein Grund zur Sorge, insbesondere wenn das Kind grundsätzlich gerne zur Schule geht und die schulischen Leistungen nicht darunter leiden. 

Problematisch wird es dann, wenn ein Kind regelmäßig über einen längeren Zeitraum nicht mehr zur Schule geht, ohne dass es dafür einen Grund wie eine körperliche Erkrankung gibt. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Schüler*innen bleiben regelmäßig vom Unterricht fern. Es gibt verschiedene Ursachen, warum Kinder nicht zur Schule gehen wollen. 

Ängste

Zu Beginn der Grundschule haben manche Kinder Angst, sich von ihren Eltern zu trennen. Die neue Situation in einer Klasse mit vielen Kindern kann manche überfordern. Andere befürchten, dass den Eltern oder ihnen selbst etwas zustoßen könnte. Diese Kinder ängstigen sich zum Beispiel, weil sich die Eltern trennen oder weil Vater oder Mutter schwer krank ist. Diese Kinder ängstigen sich aber meist nicht nur, wenn sie zur Schule gehen müssen, sondern auch bei anderen Anlässen. 


Manche Kinder ängstigen sich jedoch auch vor der Schule, weil sie befürchten, etwas Falsches zu machen oder zu sagen oder von Mitschüler*innen ausgelacht oder abgelehnt zu werden. Auch Konflikte mit anderen Kindern oder Mobbing können dazu führen, dass ein Kind nicht zur Schule gehen möchte. Manche Kinder haben aber auch Angst vor dem Schulweg, wenn sie zum Beispiel mit einem überfüllten Schulbus fahren müssen oder weil sie unterwegs von anderen Kindern geärgert werden. 


Häufig kommen körperliche Beschwerden hinzu, vor allem Kopf- oder Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Diese Beschwerden treten meist abends oder am Morgen vor der Schule auf, nicht aber an Wochenenden oder in den Ferien.

Depressive Stimmungen

Vor allem Jugendliche, die unter Depressionen leiden, schaffen es morgens oft nicht, sich fertig zu machen und zur Schule zu gehen. 

Verweigerung, sich an Regeln zu halten

Manche Kinder und Jugendliche gehen nicht zur Schule, weil sie sich lieber mit anderen die Zeit vertreiben, durch die Stadt stromern oder shoppen gehen. Das sind meist Kinder und Jugendliche, denen es grundsätzlich schwerfällt, sich an Regeln zu halten. Versuchen die Eltern durchzusetzen, dass das Kind zur Schule geht, kommt es zu starken Wutausbrüchen und aggressivem Verhalten. In der Pubertät können dann auch Anrufe von der Polizei dazukommen, weil die Jugendliche* stiehlt, mit anderen Cliquen in Konflikt gerät oder Drogen nimmt.

Schulische Überforderung 

Manche Kinder wollen auch nicht in die Schule, weil sie den Anforderungen dort nicht gerecht werden können. Die schulischen Leistungserwartungen sind für sie zu hoch. Sie sind entweder allgemein überfordert oder haben eine spezielle Rechen-, Lese- oder Rechtschreib-Schwäche. Auch Kinder, denen es sehr schwerfällt, sich zu konzentrieren, still zu sitzen und der Lehrer*in zu folgen, schwänzen häufiger die Schule. Ebenso können dauerhaft schlechte Noten dazu führen, dass diese Kinder und Jugendlichen nicht mehr gerne zur Schule gehen.

Eltern sind häufig überfordert

Eltern sind häufig überfordert, wenn ihr Kind nicht zur Schule gehen möchte. Der Konflikt eskaliert häufig morgens, wenn die Eltern zur Arbeit müssen und das Kind sich für die Schule fertig machen und losgehen soll. Das Kind weigert sich und die Eltern machen Druck. Harschen Anweisungen folgen häufig trotzige Tränen. Manche Eltern geben auf und schicken ihr Kind gar nicht mehr zur Schule. Bei Jugendlichen wissen die Eltern häufig gar nicht mehr, dass das Kind nicht mehr zur Schule geht, wenn es das Haus verlässt. Erst an Elternabenden erfahren sie von den Fehlstunden ihrer Kinder. Ist der Konflikt nicht zu lösen, droht ein Schulabbruch. Spätestens dann sollten sie sich professionelle Hilfe suchen.

Wo finden wir Hilfe?

Mobbing in der Schule

Von Mobbing spricht man, wenn eine Person über einen längeren Zeitraum von mehreren anderen Schüler*innen immer wieder schikaniert wird. Das Kind wird zum Beispiel gehänselt, ignoriert oder körperlich angegriffen. Es wird beleidigt und seine persönlichen Sachen werden beschädigt. Etwa jede zehnte Schüler*in war schon einmal von Mobbing betroffen. Am häufigsten kommt Mobbing in der fünften bis zehnten Klasse vor. Nicht selten ist ein Großteil der Klasse in das Mobbing einbezogen. Neben den eigentlichen Täter*innen gibt es diejenigen Mitschüler*innen, die zwar nicht aktiv am Mobbing beteiligt sind, aber zum Beispiel lachen, wenn es zu Attacken kommt, oder die Täter*in anfeuern. Dann gibt es die Kinder, die zusehen und sich nicht einmischen, häufig aus Angst, selbst zum Opfer zu werden. Manchmal gibt es aber auch Mitschüler*innen, die das gemobbte Kind tapfer verteidigen oder trösten. Mobbing kann die Opfer psychisch stark belasten und zu Ängsten, Depressionen, körperlichen Beschwerden und Schulvermeidung führen.

Erste-Hilfe-Tipps für Eltern

Schauen Sie hin!

Eltern sollten nicht wegschauen, wenn ihr Kind die Schule schwänzt. Schulschwänzen geht nicht einfach vorbei, sondern nimmt eher zu. Fragen Sie regelmäßig in der Schule nach, ob Ihr Kind anwesend war. Sprechen Sie Ihr Kind noch am gleichen Tag darauf an, wenn es die Schule nicht besucht hat. 


Warnsignale für Schulvermeidung


  • Ihr Kind erzählt nichts von der Schule, zeigt keine Arbeiten vor. Sie bekommen auf Fragen zur Schule keine Antwort.
  • Ihr Kind zögert das morgendliche Losgehen immer wieder hinaus.
  • Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen häufen sich.
  • Ihr Kind ist in der Schule eine Außenseiter*in.
  • Ihr Kind ist Mitglied in einer Clique, von der bereits andere regelmäßig die Schule schwänzen.


Sie sind ein Team

Versuchen Sie, einen guten Kontakt zu Ihrem Kind zu halten. Machen Sie Ihrem Kind keine Vorwürfe. Geben Sie ihm das Gefühl, dass Sie es weiter liebhaben und ihm helfen wollen, wieder zur Schule zu gehen. Versuchen Sie gemeinsam die Gründe für das Schulschwänzen herauszufinden. Fragen Sie Ihr Kind: Gibt es in der Schule oder zu Hause etwas, was dich beunruhigt oder dir Angst macht? Wie findest du deine Lehrer*innen? Kommst du im Unterricht mit? Hast du mit anderen Schüler*innen Streit? Gibt es noch etwas Wichtiges, das ich wissen sollte? Unterstützen Sie Ihr Kind, seine Probleme zu lösen. Nur wenn Sie gemeinsam daran arbeiten, kann es gelingen.


Kontakt zur Schule suchen

Suchen Sie das Gespräch mit der Lehrer*in, die Ihr Kind am besten kennt. Schildern Sie Ihre Sorgen und zeigen Sie Bereitschaft, das Problem gemeinsam lösen zu wollen. Es kann sinnvoll sein, zu dem Gespräch die Schulpsycholog*in oder die Schulsozialarbeiter*in hinzuzuziehen. Gemeinsam können Sie überlegen, was getan werden kann. Eltern können das Kind wieder eine Zeit lang zur Schule bringen. Die Lehrer*in kann das Kind im Unterricht vorerst nicht aufrufen. Das Kind darf vorübergehend während der Pause im Klassenraum bleiben. Solche Absprachen sollten nur begrenzt gelten und dann schrittweise und behutsam wieder aufgehoben werden. 


Bei Eskalation rasch Hilfe suchen

Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Kind klarmachen, dass es keine Alternative zum Schulbesuch gibt. Kann jedoch keine gemeinsame Lösung gefunden werden oder droht die Situation zu eskalieren: Suchen Sie sich professionelle Hilfe.

Wo finden wir Hilfe?

Sind psychische Beschwerden wie Ängste oder Depressionen die Ursache für die Schulvermeidung, kann eine psychotherapeutische Behandlung bei einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in helfen. Wichtig ist es, Kontakt mit den Lehrer*innen aufzubauen und zum Beispiel die Klassenlehrer*in oder die Schulsozialarbeiter*in in die Behandlung einzubeziehen. Auch der Schulpsychologische Dienst kann eine erste Anlaufstelle sein. Bei ausgeprägter motorischer Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten kann auch eine medikamentöse Behandlung notwendig sein. Hierfür sind Kinder- und Jugendpsychiater*innen die richtigen Ansprechpartner*innen. 

Auch Erziehungsberatungsstellen und das Jugendamt können Eltern beraten, wie sie mit der Schulvermeidung umgehen sollen. Darüber hinaus können Familienhelfer*innen die Eltern unterstützen oder Schulbegleiter*innen das Kind regelmäßig zur Schule bringen. Es ist auch möglich, dass das Kind oder die Jugendliche* in Tagesgruppen betreut und beschult wird oder die Woche in einer spezialisierten Wohngruppe verbringt und nur am Wochenende bei den Eltern zu Hause lebt. 

Wenn Sie mehr wissen wollen